Genealogie - eine Modeerscheinung?

Der Mosbacher VHS-Arbeitskreis für Vorfahrensforschung und Wappenkunde berichtet von seiner Tätigkeit

    Mosbach.   Eine feste Einrichtung ist in Mosbach bereits seit einigen Jahren der VHS-Arbeitskreis Genealogie und Heraldik, der unter Leitung von Erika Hemberger-Jung einmal im Monat im Clubraum der Volkshochschule im Mosbacher Kulturzentrum zusammenkommt, um Ahnen- und Wappenforschung zu betreiben. Bei ihrer Arbeit sind die Hobby-Genealogen dabei schon auf so mancherlei Interessantes gestoßen. Interessierte sind bei den Treffen des Kreises (jeden ersten Dienstag im Monat) jederzeit willkommen. In den Mosbacher Stadtnachrichten weist die RNZ jeweils rechtzeitig auf die Zusammenkünfte des Arbeitskreises hin.
     Nachdem die Geschichte der Auswanderer aus dem hiesigen Raum eines der Themen im Jahre 1998 war, und im Rahmen einer Ausstellung im kleinen Rathaussaal in Mosbach von Barbara Moser (Mosbach) erfolgreich dargestellt wurde, sollte der Anfang des Jahres die Informationen verschiedener Arbeitsgebiete und Arbeitsmöglichkeiten umfassen.
     Den Anfang machte Dr. Hans Ahrendt (Hirschhorn) mit dem Thema "Der Ritterorden". Welche Bedeutung und Aufgaben stehen hinter diesen Orden und wer sind die handelnden Personen? Dr. Ahrendt, selbst aktives Mitglied des Ritterordens "Der Greif", stellte anhand von einigem Informationsmaterial die Geschichte der Orden dar. Der "Deutsche Orden" als der bekannteste wurde durch verschiedene Dokumente den Telinehmern nähergebracht.
     Ein zweiter informativer Abend wurde durch Grundbuchratschreiber Bayer vom Grundbuchamt Mosbach gestaltet. Die Darstellung der geschichtlichen Seite über den Werdegang und die frühere Handhabung mit Aufzeichnungen von Kauf- und Verkaufsverträgen sowie von Dokumentierungen von Eigentumsverhältnissen zeigte, dass ein erfahrener Praktiker für diesen Vortrag gewonnen wurde. Bis zurück zu den Griechen läßt sich nachweisen, daß Protokollbücher und Urkunden über Besitz und Eigentum geführt wurden.
     Neben der geschichtlichen Seite wurde von H. Bayer besonders die Situation ab dem 18. Jahrhundert dargestellt. Der Aufbau eines heutigen Grundbuchs mit den einzelnen Abteilungen war für alle Teilnehmer sehr interessant. Auch über Gebühren und Einsichtsmöglichkeiten wurde informiert. Dies war wiederum für die Genealogen von besonderem Interesse. Für den Genealogen ist es wichtig zu wissen, unter welchen Bedingungen er Einsicht für seine Tätigkeit erhalten kann.
     Für die Genealogen wurde anhand von Beispielen aufgezeigt, daß in den Grundbuchakten auch über manche Niederschriften wie Kauf- und Verkaufsverträge sowie Erbauseinandersetzungen Rückschlüsse auf die Familiengeschichte zu erfahren sind. Ein Teilnehmer konnte anhand einer Nachforschung zur Geschichte eines Wohnhauses mit allen Nebengebäuden deutlich machen, wie wichtig sich Informationen aus dem Grundbuch in die Vorfahrensforschung einfügen können. Ergänzungen von Namen aus dieser Erkenntnis führten in der genealogischen Forschung zu weiteren wichtigen Zusammenhängen. In einer späteren Ausstellung soll eine solche Arbeit vorgestellt werden.
     Einen ganz wichtigen Teil für die genealogische Arbeit sprach Karl Bödecker (Obrigheim) an. Die Arbeit eines Genealogen unter Anwendung der EDV-Technik und Nutzung von Daten im Internet. In kleiner Runde wurde dieses Thema vertieft und wird von ihm in den kommenden monatlichen Treffen vorgestellt werden. Ziel des Arbeitskreises ist die Registrierung von Forschungsdaten und Aufnahme der gesammelten Daten im Internet, um diese Daten einem breiten Kreis von Familienforschern zugänglich zu machen. Wie informativ diese Daten sein können, zeigte Karl Bödecker am Beispiel des Teilnehmers Balduin Herter (Mosbach) auf. "Herter Deutschland", so möchte Balduin Herter seine Forschung ausweiten und hierzu konnte Karl Bödecker gute Hilfe leisten.
     Die gesamte Breite der Informationsmöglichkeiten für Genealogen, von über 350 Jahre Techniken der Niederschriften im Kirchenbuch bis zur EDV-Erfassung, wurde im Rahmen einer Veranstaltung in Haßmersheim von Fritz Müßig (Haßmersheim) dargestellt. Am Beispiel eines Heuß-Stammbaums und der dazu gesammelten Daten mit Querverbindungen zu weiteren Familien in Haßmersheim konnte dargelegt werden, daß Genealogie nicht nur eine Modeerscheinung, sondern ein wichtiger Beitrag zur Geschichts-, Familien- und Heimatforschung sein kann.
     Die Genealogie bietet aber auch gemeinsames Arbeiten in der Familie, wie an der Arbeit der Familie Hans und Ruth Witzel aus Guttenbach deutlich gemacht werden kann. Mit viel Zeitaufwand und intensiver Bearbeitung konnte im Familienzusammenwirken eine Familiengeschichte mit Dokumenten ermittelt werden, wie sie selten zu finden ist. Und dies alles ohne EDV-Unterstützung.
nach RNZ vom 6. Apr. 1999