VHS-Arbeitskreis Genealogie blickte auf erfolgreiches erstes Halbjahr zurück - Internet-Recherche auf dem Vormarsch
Mosbach. Bei ihrem ersten Treffen im neuen Semester konnten die Hobbygenealogen der Volkshochschule Mosbach auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr zurückblicken. In Neckarelz waren sie anlässlich des Jubiläums des Heimatvereins mit einem Informationsstand vertreten, bei dem u.a. die von Fritz Müßig (Haßmersheim) bereitgestellten Unterlagen und Stammtafeln Heuss (Haßmersheim) und Schneider (Hüffenhardt) ein reges Interesse fanden.
Überraschend bekannt wurde die Verbindung von "Pippi Langstrumpf" zur Stammlinie Heuss. Gottlob Heinrich*) Hörler aus Haßmersheim soll um 1905 Elsa Maria Petterson, eine Tochter von Carl Pettersson und der Tochter des Kannibalenkönigs Lamys auf Papua Neu-Guinea geheiratet haben. Dieser Stoff wurde wohl von Astrid Lindgren für das Buch von "Pippi Langstrumpf im Taka-Tuka-Land" verwendet. Nach Abschluss der Recherchen werden wir hierüber noch ausführlich berichten.
Vom 56. Deutschen Genealogentag in Leonberg berichtete Karl W. Bödecker (Obrigheim). Ein Referat befasste sich mit dem Forschungsprojekt des Heimatvereins Kraichgau. Nach den immensen Verlusten des Dreißigjährigen Krieges trugen Menschen aus der Schweiz zur Wiederbesiedlung des entvölkerten Kraichgaus bei. In rund 300 Ortschaften zwischen Rhein, Neckar, Enz und Pfinz werden die Schweizer erfasst, wobei die Kirchenbücher nochmals ausgewertet und Unterlagen aus der Schweiz berücksichtigt werden.
Beachtet wurde auch ein Referat zur Kirchenbuch-Datenbank des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart, das seine Bestände zur Zeit unter www.archiv.elk-wue.de online recherchierbar macht. Die Kirchenbücher der Evangelischen Landeskirche in Württemberg sind vollständig verfilmt, 2.237 Mikrofilme können ausgeliehen oder käuflich erworben werden
Der Vortrag "Genealogische Nebenquellen im Internet" des Vereins für Computergenealogie belegte, dass sich die Genealogen zunehmend Computer und Internet zu Nutze machen. Die neuen Medien gestatten einen unkomplizierten Austausch von Forschungsergebnissen, erlauben einen raschen Zugriff auf allgemeine genealogische Informationen und stellen viele Hilfsmittel zur Auswertung genealogischer Quellen bereit. Auch die Digitalfotografie gehört zu den neuen Hilfsmitteln für die Dokumentation und Forschung in Archiven. Diese Technik hatte der Fotograf Tim Krieger (Billigheim-Sulzbach) Anfang des Jahres anschaulich und kompetent vorgestellt.
Der Arbeitskreis informierte sich weiter über Archive in der Region. Im Frühjahr gab der Leiter des Stadtarchivs Eberbach, Dr. Rüdiger Lenz einen umfassenden Einblick in die Möglichkeiten der Archive für die Familienforschung. In Eberbach wird ein großer Teil des Nachlasses von Dr. Herbert Leutz aufbewahrt, der sich ausgiebig mit Familienstämmen in unserem Raum befasst hat.
Ein Ziel des Arbeitskreises ist die Zusammenfüh-rung der vorliegenden Forschungen, bei der die Vernetzung der Familien deutlich wird. Bei einem rege besuchten Treffen in Obrigheim gab Karl W. Bödecker einen Überblick in den derzeitigen Stand dieses Projektes. Dabei stand die Familie Reinmuth im Mittelpunkt. Mehrere Reinmuth-Forscher waren z.T. von weit her angereist. Weitere häufig vertre-tene Namen sind: Backfisch, Edler, Endlich, Ihrig, Lenz, Neidig, Olbert, Schifferdecker, Siegmund, Weber, Zimmermann. Der Bestand entwickelt sich stetig, neue Informationen werden gern aufgenommen und Auskünfte erteilt (www.vhs-mosbach.de/akgen).
Eine wichtige Quelle nach den Kirchenbüchern sind die Personenstandsregister, die 1874 eingeführt wurden und im Mai von Karlheinz Götz (Dallau) vorgestellt wurden. Die nach dem Krieg eingeführten Familienbücher werden am Wohnort geführt. Es fällt auf, dass Geburten und Sterbefälle in Dörfern zurückgehen und sich in Kliniken und Altenheime in den Städten verlagern.
Im September stellte Stefan Müller, der Museumsleiter und derzeitige Stadtarchivar von Mosbach das Museum und die Beziehungen zur Genealogie vor. Er stellte heraus, dass Museen Ding sammeln und vermitteln, die einen Bezug zur Heimatgeschichte haben. Mit den Objekten werden auch die Lebens- und Tätigkeitsgeschichten der damit verbundenen Personen dargestellt. Hier liegt die Schnittstelle zur Genealogie, die sich mit der Erforschung und Dokumentation der Abstammung und Lebensumstände befasst. Zur Zeit werden die ca. 15.000 Objekte in einem Museums-Informations-System digital erfasst.
Weiter wurde die Präsentation "Historische Postkarten und Fotosammlung von Mosbach" gezeigt. Eine Besonderheit ist das umfangreiche Zeitungsarchiv des Stadtmuseums. Die Kontakte sollen bei einem Besuch des Stadtarchivs Mosbach im Dezember fortgeführt werden.
*) nach derzeitigem Stand: Harry Hörler, der Sohn von Karl Robert Heinrich Hörler
nach RNZ vom 22. Okt. 2004