Ahnenforscher in Sorge um Familiendokumente

VHS-Arbeitskreis Genealogie und Heraldik zog positive Jahresbilanz - Wertvolle Bücher und Akten sollten nicht auf dem Flohmarkt landen

    Mosbach.  Zum Jahresabschluss traf sich der VHS-Arbeitskreis Genealogie und Heraldik in der "Gaststätte zur Eisenbahn" in Diedesheim. Ernst Bulling schilderte den Gästen zunächst die Geschichte der Gaststätte, die seit über 100 Jahren im Familien-Besitz ist, ehe man auf die Aktivitäten des Jahres zurückblickte.
   Heinrich Bulling, 1853 in Kälbertshausen geboren, hatte 1877 die 1852 in Diedesheim geborene Susanne Elisabeth Arnold geheiratet und 1899 die Konzession für eine Wirtschaft erhalten. Verwandtschaftliche Beziehungen bestehen unter anderem zu Heuß (Heiß) und Lichtenberger. Hierzu passend ist kürzlich das Buch "Die Odenwälder-Neckartaler Lichtenberger von 1530 bis 2002" erschienen.
   Fritz Müßig zog dann eine positive Bilanz der Aktivitäten des Jahres und erinnerte an die Besuche im Kreisarchiv und im Museum "Königheimer Höflein" in Höpfingen, die Präsentation "Häuser und Leute" in Haßmersheim sowie den Vortrag über die Gutleutanlage und Grabstein-Inschriften in Mosbach als historisch-genealogische Zeugnisse.
   Im November hatte Reinhard Wolf einen Einblick in seine umfangreichen Forschungen und in die Nutzungen der Gutleutanlage gegeben. Im 16. Jahrhundert wurde sie als Herberge für Durchreisende verwendet, um 1620 war sie ein Hospital für "infizierte" Soldaten aus dem 30-jährigem Krieg, beim Bau der Eisenbahn wurden dort kranke Eisenbahner untergebracht. Die Kapelle ist 1479 erstmals urkundlich erwähnt, das Langhaus wurde später angebaut.
   Wolf rückte mit seinen eindrucksvollen Dias auch die Wandmalereien ins rechte Licht. So weise die Darstellung der zwei Heiligen Michael und Andreas vielleicht darauf hin, dass ihnen die Kapelle geweiht ist. Es gebe in diesem Zusammenhang jedoch noch viel zu ergründen. Anerkennung erhielt Wolf auch für die ausführliche Beschreibung der Grabmale angesehener und einfacher Mosbacher Bürger. Auch wenn die Grabplatten teilweise schon verwittert seien, so böten sie doch zahlreiche Hinweise auf das Leben und Wirken der Verstorbenen.
   Der interessante Vortrag regte dazu an, die geschilderten Kostbarkeiten selbst in Augenschein zu nehmen. Als eine Katharine Reinmuth (1873-1932) erwähnt wurde, horchten auch die Mitglieder des Arbeitskreises auf. Das Projekt "Familien Reinmuth im badischen Odenwald und Neckartal" macht gute Fortschritte. Hierzu hat der Arbeitskreis Stammtafeln aus Auerbach und von G. Ende aus Weißwasser erhalten. Ein wertvoller Fundus sind die umfangreichen Forschungen von Dr. Herbert Leutz (1906-1956) im Stadtarchiv Eberbach. Der Stammbaum wird auch auf der Homepage des Arbeitskreises dargestellt (www.vhs-mosbach.de/akgen).
   Ein Beispiel für das Leben in früheren Zeiten ist die Lebensgeschichte des Ratschreibers Louis Braun aus Haßmersheim. Er war im Alter von 21 Jahren von Grombach nach Haßmersheim gekommen, viermal verheiratet und diente unter sieben Bürgermeistern bis er 1899 starb. Es bestehen vielfältige Beziehungen zu anderen Familien und Orten, u.a. nach Aglasterhausen und zuletzt nach Tirol, woher seine letzte Frau stammte. Das Wohnhaus trägt die Wappen Spohn, Pixner und Braun.
   Dass auch versierte Hobby-Genealogen ihre Familiengeschichte manchmal umschreiben müssen, musste Fritz Müßig erfahren. Man war lange davon ausgegangen, dass der handschriftliche Eintrag im Kirchenbuch "Goos, Johannes" statt richtig "Hanß Schlaunes" lautete. So waren einige Jahrzehnte neu zu erforschen.
   Schließlich sprachen die Ahnenforscher noch ein aktuelles Thema an: Um zu vermeiden, dass wie in Rippberg mit wertvollen Kirchenbüchern und Pfarrakten geschehen, Dokumente zur Familiengeschichte auf der Mülldeponie oder dem Flohmarkt landen, sollten Dokumente zur Familiengeschichte an ein Archiv übergeben werden, wenn in der eigenen Familie daran kein Interesse mehr besteht.
   Nach einem regen Erfahrungsaustausch wurde das Programm 2004 besprochen, wobei wieder interessante Themen geplant sind, die explizit noch im Internet und in der Presse bekannt gegeben werden.
nach RNZ vom 20. Dez. 2003