Siebenbürgische Familiendaten sichern

Balduin Herter referierte vor dem Arbeitskreis Genealogie und Heraldik über Arbeit des Kulturzentrums Siebenbürgen

    Mosbach./Gundelsheim.  Der Arbeitskreis Genealogie und Heraldik in der VHS Mosbach hielt seine Oktober-Sitzung in Gundelsheim ab. Balduin Heiter, Vorsitzender der Sektion Genealogie im Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde, referierte im Leseraum der Siebenbürgische Bibliothek auf Schloss Horneck über die siebenbürgische Familienforschung. Einleitend gab Herter einen kurzen Überblick über die Geschichte der Deutschmeisterresidenz des Deutschordens auf Schloss Horneck und berichtete über das Kulturzentrum Siebenbürgen mit Institut, Bibliothek, Archiv und Museum sowie über das Altenheim. Seit 1962 ist das Schloss im Besitz des Hilfsvereins Johannes Honterus, benannt nach dem siebenbürgischen Humanisten und Reformator.
    In Siebenbürgen dürfte die Familien-forschung um die Mitte des 18. Jhs. eingesetzt haben. Seit im Jahre 1970 die Arbeitsstelle für siebenbürgische Forschung des Stuttgarter Instituts für Auslandsbeziehungen die Voraussetzung für eine hauptberuflich besetzte Geschäftsstelle und zugleich Bibliotheksleiter geschaffen hatte, konnte ein kontinuierlicher Auf- und Ausbau des Kulturzentrums auf Schloss Horneck vorgenommen werden. Damals entwickelte Heiter zugleich auch eine genealogische Aktivität, die 1974 in eine Sektion einmündete. Die Genealogie wird hier auch als Teil der Lokal- und Landesgeschichte sowie der Sozial und Wirtschaftsge-schichte gesehen. Es ist das Bestreben, die Geschichte der Familien nüchtern nachzuzeichnen und dabei sowohl Höhen wie Tiefen darzustellen.
    Ein wichtiger Bereich war und ist die Sammlung einschlägiger Literatur in jeder Form. Sowohl gedruckte wie handschriftliche Darstellungen, Niederschrift und Ausarbeitungen über Familien und Ortsgemeinschaften aus den über 200 siebenbürgischen Gemeinden werden in Bibliothek und Archiv zusammengetragen. Eine Sicherung aller siebenbürgischen Familien- und Personendaten in der zentralen Gundelsheimer Einrichtung wird angestrebt, um dem Verlust von zeitgeschichtlichen Quellen vorzubeugen. Der Katalog des Genealogischen Archivs wies im Frühjahr über 1100 Datensätze nach. Dabei nimmt neben der traditionellen Arbeitsweise auch die Computergenealogie einen zunehmend breiteren Raum ein, vor allem bei jüngeren Kollegen der heute rund 70 Sektionsmitglieder.
    Dokumentation und Gedankenaustausch werden in jährlichen Tagungen, abwechselnd an verschiedenen Orten des In- und Auslandes, gepflegt und in der Zeitschrift "Siebenbürgische Familienforschung" (seit 1984 jetzt im 18. Jahrgang mit jeweils zwei Heften) publiziert. Die Wappensammlung umfasst rund 500 Familienwappen, die ebenso vom Referenten betreut wird wie eine laufend veröffentlichte Bibliographie (zurzeit 35 Folgen) des genealogischen Schrifttums mit inzwischen über 1.200 nachgewiesenen Titeln.
    Einen beachtlichen Stellenwert nimmt die Migrationsforschung (Ein- und Auswanderungen) ein. Besonders die Grup-peneinwanderungen nach Siebenbürgen aus den österreichischen Landen, aus dem Markgräflerland, Hanauer Land (um Kehl), aus Böhmen, Mähren, Slowakei (Zips), aus Württemberg, Preußen usw. sind erforscht worden. Die Auswanderungen vor allem nach USA und in dieser Zeit in erster Linie nach Deutschland und Österreich sind weitere Themen der Genealogen. Es bestehen kollegiale Zusammenarbeiten und gegenseitige Mitgliedschaften mit und in mehreren Vereinen und Einrichtungen genealogischen Zuschnittes im In- und Ausland.
    Einer Aussprache schloss sich eine Führung durch die Bibliotheksräume und Büchermagazine an und konnte einen Eindruck von der Arbeit im Siebenbürgen-Institut (über 60.000 Buchtitel) vermitteln. Zum Abschluss fand sich die Runde im Gasthof "Gambrinus" ein und diskutierte weiter.


nach RNZ vom 25. Okt. 2001