06.11.2007: Alte Säcke - Motivation zur Ahnenforschung - Kalenderumstellung
Mit gleich 3 hochinteressanten Powerpoint-Präsentationen beeindruckte Wilfried Arnold, Wilhelmsdorf die Teilnehmer des Treffens.
"Was alte Säcke erzählen können ... Familiennamen und Jahreszahlen auf Getreidesäcken" war sein erster Beitrag. Säcke dienten seit alters her zur Aufbewahrung von Getreide. Sie sind bekannt aus der Bibelgeschichte von Josef und Benjamin in Ägypten und von Max und Moritz, die dem Bauern Mecke Löcher in die Getreidesäcke schneiden. Die Säcke wurden aus Leinenabfällen gewebt. An einem Originalsack Nr. 12 von Peter Arnold 1897 Diedesheim aus seiner Sammlung wurde vorgeführt, wie die Säcke mit Namen, Jahreszahl und Nummer ausgestattet wurden. Üblich war eine Größe von 1,80 m die z.B. 134 kg Weizen fasst. Die Höhe der Sacknummer und der Aufdruck von Hofwappen galten als Statussymbol.
"Wie kommt man zur Ahnenforschung? Kleine Erfolge, die motivieren weiterzumachen".
Bei diesem Thema lag ihm daran, anhand eigener Erfolge Anfängern bei der Ahnenforschung Wege auf zuzeigen bzw. sie zu motivieren weiter zu machen, wenn schnelle Fortschritten auf sich warten lassen. Er stellte u.a. anschaulich mit Grafiken die Spuren der Familie Lomer dar, die kreuz und quer durch Deutschland verlaufen. Er zeigte ein altes Postsparbuch, dass Hinweise auf Aufenthaltsorte enthält. Mit verschiedenen Grafiken gab er einen umfassenden Überblick zu möglichen Quellen für die Familienforschung auch außerhalb der Kirchenbücher.
Zum Schluß erläuterte er die Gründe für die Umstellung des julianischen auf den gregorianischen Kalender und die Bedeutung für die Ahnenforscher. Schon die alten Ägypter teilten das Jahr in Anlehnung an den Mondumlauf in Monate ein. Bei den Römern hatte das Jahr zeitweise 10 Monate. Daher die Bezeichnungen der Monate September bis Dezember abgeleitet von den Zahlen 7 bis 10, wie in Kirchenbüchern noch als 7bris bis 10bris oder Xbris ersichtlich. Die Monatslänge wurde in Rom von Fall zu Fall festgelegt. Zum Ausgleich von Abweichungen wurde das Jahr 46 v. Chr. auf 445 Tage verlängert (verworrenes Jahr). In diesem Jahr führte C. Julius Cäsar den nach ihm benannten Kalender mit 365 Tagen und einem zusätzlichen Schalttag alle 4 Jahre ein. Daraus ergeben sich im Mittel 365,25 Tage je Jahr.
Im Jahr 532 n. Chr. wurde von der römischen Zählweise auf die Jahreszählung nach Christi Geburt umgestellt. Als Stichtag für die Festlegung des Osterfestes gilt der Durchlauf der Sonne durch den Frühlingspunkt (Tag-Nacht-Gleiche). Da das Jahr tatsächlich 365,242199 Tage hat (tropisches Jahr), ergaben sich bis 1582 bereits 10 Tage zuviel. Von Pabst Gregor XIII wurde daher der julianische Kalender modifiziert. In durch 100 glatt teilbaren Jahren wurde der Schalttag weggelassen, alle 400 jedoch nicht. Dadurch beträgt die mittlere Jahreslänge nach dem Gregorianischen Kalender 365,2425 Tage. Die verbleibende Abweichung würde erst nach 3333 Jahren die Einfügung eines zusätzlichen Schalttages erfordern.
Da die Protestanten die Kalenderumstellung durch den Pabst anfangs nicht akzeptierten, wurde er einheitlich erst zum 18. Februar auf den 1. März 1700 eingeführt. Bis dahin fielen die Tage nach Weihnachten in das nächste Jahr, worauf die Bezeichnung "zwischen den Jahren" zurückgeht.
Als Dank für die informativen und interessanten Vorträge überreichte Fritz Müßig ein Präsent.