02.10.2007: Digitalisierung und Auswertung der Kirchenbücher
Zum ersten Treffen im neuen Semester konnte Fritz Müßig neben den zahlreich erschienenen Teilnehmern Herrn Dekan Dirk Keller, Kirchenbezirk Mosbach und Pfarrvikar Sebastian Bauer-Hofmann, Haßmersheim als Gäste begrüßen. Schwerpunktthema des AK im Winterhalbjahr ist das Projekt "Digitalisierung und Auswertung der Kirchenbücher". Zu diesem Vorhaben gibt es schon Vereinbarungen und Zusammenarbeit mit verschiedenen Pfarrämtern und mit Dr. Wennemuth vom Ev. Landeskirchlichem Archiv in Karlsruhe. Auch zu katholischen Kirchengemeinden bestehen Kontakte.
In mehreren Gemeinden wurden bereits Kirchenbücher oder Teile davon digital aufgenommen u.a. in Haßmersheim mit Obrigheim (luth.), Neckargerach mit Guttenberg, Lindach, Reichenbuch und Zwingenberg und Binau.
Anhand einer Powerpoint-Präsentation gab zunächst Karl W. Bödecker einen Überblick über das Thema ( siehe Manuskript). Die Kirchenbücher sind die wichtigste Quelle für Familienforscher. Besonders ältere Kirchenbücher sind durch häufiges Nachschlagen über viele Jahre sehr beansprucht, Mitunter wurden sie nicht optimal aufbewahrt, so dass Schäden durch Feuchtigkeit entstanden sind. Das Lesen der Kirchenbücher erfordert Kenntnisse und Erfahrung im Lesen alter Schriften wegen der deutschen Schrift (Sütterlin), lateinischer Begriffe, früher üblicher Abkürzungen, und gewöhnungsbedürftiger Handschriften. Die Transkription der Kirchenbücher, d.h. eine wortgenaue Abschrift ermöglicht und erleichtert auch Ungeübten den Zugang zu den Texten. Bei der Kirchenbuch-Verkartung wird ein reduzierter Umfang erfasst. Früher wurden die genealogisch relevanten Daten der Register auf Karteikarten übertragen, daher der Name. Heute stehen Genealogieprogramme zur Verfügung, die eine bequeme Erfassung und Verwaltung der Daten erlauben. Namensregister ermöglichen einen schnellen Zugang zu den gesuchten Textstellen.
Wegen des Zeitaufwandes ist die Durchführung der vorgenannten Auswertungen im Archiv praktisch nicht durchführbar. Zwar existieren Mikrofilme, die in kirchlichen Archiven und bei den Forschungsstellen der Mormonen eingesehen werden können. Die Qualität der Schwarz-Weiß Aufnahmen ist jedoch schlecht und erfordert zudem spezielle Lesegeräte. Die heutige Digitalfotografie stellt eine wesentliche Verbesserung dar. In Verbindung mit der EDV-Technik sind die Arbeiten zur Digitalisierung am Schreibtisch möglich. Die Kirchenbücher müssen nur kurz für die Erstellung der Digitalfotos zur Verfügung stehen und nicht mehr über längere Zeit ausgeliehen werden. Der private Familienforscher kann mit einem Genealogieprogramm ein persönliches Familienbuch ausgeben, das meist auch Personen aus mehren Orten enthält. Für einen bestimmten Ort oder ein Kirchspiel kann ein Familienbuch erstellt werden, dass alle bekannten Familien eines Ortes enthält und auch Familienverbindungen zu anderen Orten darstellt (Ortsfamilienbuch).
Ludwig Gruppenbacher, Aglasterhausen berichtete dann über die Erstellung der Familienbücher von Aglasterhausen, Breitenbronn, Daudenzell und Asbach, die gut angenommen wurden. Er betonte, dass die Familienbücher in gedruckter Form vorliegen sollten, damit sie unabhängig vom PC gelesen werden können.
Hardy Körber, Unterschefflenz bearbeitet seit 30 Jahren Anfragen an die Kirchengemeinde Schefflenz und hat die Kirchenbücher komplett abgeschrieben, da sie sich im schlechten Zustand befanden. Die Erteilung von Auskünften ist damit erleichtert. Die Bücher selbst wurden im Ev. Landeskirchlichen Archiv in Karlsruhe archiviert.
Fritz Müßig führte dann am PC vor, wie in der Praxis die Recherchen mit den digitalisierten Kirchenbuchseiten in Verbindung mit der EDV durchgeführt werden können und wie einfach und schnell man die an gesuchten Informationen gelangt. Anfragen können mit einer Kopie der Textstellen beantwortet werden.
Dekan Keller zeigte sich beeindruckt von den Möglichkeiten und den bereits durchgeführten umfangreichen Arbeiten. Auch Kirchenangestellte seien teilweise überfordert mit der Bearbeitung von Auskünften. Er sieht ebenfalls die Vorteile bei der Übertragung der Texte und der Erstellung von Familienbüchern und wird das Vorhaben des AK unterstützen. Es bestand Einigkeit, dass als erster Schritt die Digitalisierung sinnvoll ist. Es wäre schön, wenn für die weitere Auswertung im Kirchenbezirk Mosbach noch Mitwirkende gewonnen werden könnten.